„Weser-Schiffe nützen den Seen“
Von Lutz Benseler
Heringhausen. Eigentlich klingt es wie die Quadratur des Kreises: Der Tourismus an Diemelsee und Edersee lebt von vollen Talsperren, die Frachtschiffe auf der Oberweser brauchen das Wasser, um nicht auf Grund zu laufen. Doch tatsächlich profitieren auch die beiden Seen von der Schifffahrt. Davon jedenfalls ist die Interessengemeinschaft Oberweser überzeugt.
Der Verein wünscht sich eine Renaissance der Frachtschifffahrt, hat aber auch die Interessen der Anrainer des Edersees und des Diemelsees mit in die Satzung aufgenommen. „Wir müssen die Oberweser als Schifffahrtsstraße erhalten“, postulierte Schatzmeister Harald Plünnecke gestern bei der Jahreshauptversammlung der Interessengemeinschaft in Heringhausen. Nur so sei der Bund weiter für die Unterhaltung zuständig.
„Wenn der Bund die Weser nicht mehr für den Transport von Gütern vorsieht und dann auch nicht mehr bewirtschaftet, hat das negative Auswirkungen für den Edersee und den Tourismus hier vor Ort“, unterstrich der frühere Vöhler Bürgermeister. „Wird die Weser nicht mehr ausgebaggert, versandet sie und die Frachtschiffe brauchen noch mehr Wasser aus dem Edersee, um ihre Güter zu transportieren.“ Umgekehrt habe auch die Schifffahrt Interesse an einem vollen Diemel- und Edersee: „Haben wir länger Wasser in den Seen, haben wir auch länger Wasser in der Oberweser“, sagte Plünnecke.
Doch der Warentransport auf der Oberweser ist ein heikles Unterfangen: Der Pegel ist mit 1,20 Meter bei Hann. Münden vergleichsweise niedrig. Zweimal musste in diesem Sommer der Pegel durch Wasser aus dem Edersee gestützt werden, weil er die 1,20 Meter unterschritten hatte, wie Jiri Cemus vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hann. Münden erläuterte.
„Schifffahrt ist hier nur am absoluten Limit zu betreiben“, erklärte David Schuetz (Berlin) vom Logistik-Dienstleister Imperial Shipping Services. Letztlich ermöglichen nur Schubleichter mit geringem Tiefgang, die keine großen Wellen mehr brauchen, viele Fahrten auf dem Fluss. Sie verkehren bei einem Pegelstand, den die Weser schon aus Naturschutzgründen mindestens braucht. Eder- und Diemelsee werden entlastet.
Ein solches Boot für Flachwasser sei jedoch ein Exot, schränkte Schuetz ein: „Für eine überschaubare Anzahl an Transporten auf der Oberweser wird keiner so ein Schiff bauen.“ Auch gebraucht seien die Schiffe kaum zu bekommen.
„Je länger Wasser im See ist, desto länger hat man die Kontrolle über den Pegel der Weser“, fasste Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf die gemeinsamen Interessen des Landkreises und der Oberweser-Schifffahrt zusammen. Für Waldeck-Frankenberg sind volle Seen existenziell: 2,6 Millionen Übernachtungen lassen sich den Seen zurechnen. Bis zu 17 000 Arbeitsplätze hängen in der Region vom Tourismus ab.
Dieser Artikel erschien in der WLZ am 24.09.2016.
